Interview zu #Augmented Reality

Mo, Nov 30, 2009

Communication

Interview zu #Augmented Reality

Björn Eichstädt ist Geschäftsführender Gesellschafter der PR-Agentur Storymaker mit Sitz in Tübingen und Peking. Als Pendler zwischen seinem Wohnsitz München und der Agenturzentrale ist er schon seit vielen Jahren auf den Einsatz aktueller mobiler Technologien angewiesen und befasst sich seither intensiv mit Smartphones, Mobile Web und den Einsatzmöglichkeiten für die Unternehmenskommunikation. Storymaker deckt mit derzeit 22 Mitarbeitern die gesamte Palette der Unternehmens-PR – von Print über Online bis Social Media, von Text über Audio bis hin zu Video sowie klassische Media Relations – für die Agenturkunden ab, die vor allem aus dem Umfeld B2B und Technologie stammen. Mit uns spricht Björn Eichstädt heute über das Thema “Augmented Reality”.

Bjoern 013Immer häufiger begegnen uns sogenannte “QR Codes” im öffentlichen Raum, beispielsweise auf Plakaten oder in der Zeitung “Welt kompakt” unter einigen Artikeln. Was hat es damit auf sich?

Björn Eichstädt: Bei den QR Codes handelt es sich um zweidimensionale optische Codierungen von Zeichen, also Buchstaben, Zahlen oder Sonderzeichen. Der Code kann als Bild auf Produkte – zum Beispiel Magazinseiten, Plakate, aber auch Maschinen -  aufgebracht werden. Ein QR Code Reader in Form einer Software kann diesen Code wieder decodieren. Genutzt wird der QR Code vor allem im Bereich „Mobile Web“. Mit der Kamera eines Handys wird der Code abfotografiert, eine Handysoftware oder App übersetzt den Code und stellt die dahinterliegende Information dar. Das ist in vielen Fällen eine URL, die direkt mit einer Website, einem Foto oder Video verknüpft ist. Bei den genannten Beispielen wie Plakaten oder Zeitschriften ist der QR Code also eine Schnittstelle zwischen Print und Mobile Web. Gerade im asiatischen Raum, vor allem in Japan, werden QR Codes auf vielen Werbeplakaten eingesetzt, um dahinterliegende Microsites oder Videos zu verknüpfen. Auch findet man QR Codes zum Beispiel auf Visitenkarten oder Einladungen – codiert sind damit dann Anfahrtsskizzen bei Google Maps, die direkt über das Smartphone zur Navigation genutzt werden können.

Der Begriff “Augmented Reality” wird unter Experten schon seit einer Weile gehandelt. Viele haben aber vermutlich keine so genaue Vorstellung davon, was das sein soll und wozu es gut ist. Was können Sie uns darüber erzählen?

Augmented Reality bedeutet zunächst einmal nur „erweiterte Realität“. In der Regel versteht man darunter, dass die reale Welt mittels Software eine virtuelle Erweiterung erfährt. Ein Beispiel: heutige Smartphones besitzen in der Regel die Möglichkeit der Geolokalisierung des Nutzers. Ein Gerät wie das iPhone 3GS besitzt darüber hinaus eine Kompassfunktion und eine Videokamera. Mit dieser Kombination an Features habe ich nun mittels spezifischer Software-Apps die Möglichkeit, auf dem Display in der abgefilmten „Realität“ bestimmte Informationen zu meiner Umgebung anzeigen zu lassen. Etwa, ob sich hinter der Fassade des Hauses zu meiner Rechten ein Restaurant oder eine Steuerkanzlei befindet. Die Software zieht einfach bestimmte Informationen aus dem Internet und koppelt diese mit den Geoinformationen. So entsteht ein Verschmelzen von Umgebung und Information aus dem Netz. Die reale Welt wird quasi zunehmend von einem virtuellen Informationsraster überzogen. Und das sind natürlich nur die ersten Schritte. Die nächsten Schritte werden sein, dass solche Informationen zum Beispiel über Brillen direkt vor das Auge des Betrachters gespielt werden.

Japan gilt als Vorreiter bei der “Augmented Reality”. Warum?

Augmented Reality wird in der Regel mit dem mobilen Internet assoziiert. Hier ist Japan schon sehr weit, was an einer komplett anderen Historie des mobilen Internets liegt. Man hatte von Anfang an einen gemeinsamen Standard, die Kostenstrukturen waren andere, das Internet ist aus der mobilen Anwendung heraus gewachsen. In Deutschland gab es Probleme mit entsprechenden Tarifen, das mobile Web wurde wenig genutzt. Erst seit dem iPhone ist ein Licht am Ende des Horizonts zu sehen. Deshalb sind wir mit den Anwendungen schlicht hinterher.

Gehören zu diesem Themenkomplex auch die “Airtags”, die der Kommunikationswissenschaftler Derrick de Kerckhove kürzlich in der Süddeutschen Zeitung erwähnt hat?

So wie ich de Kerckhove verstanden habe, sind damit die „in der Luft schwebenden“ Informationen zu verstehen, die ich im Display meines Smartphones sehe und die einen Ort quasi „taggen“, also mit Schlagworten verstehen. Der Begriff „Airtag“ als solcher ist derzeit noch nicht einmal bei Wikipedia zu finden, scheint also eine Eigenentwicklung von de Kerckhove zu sein.

Kerckhove bezeichnet die Airtags als “the next big thing”. Teilen Sie seine Auffassung?

Es handelt sich dabei sicherlich um eine wichtige Entwicklung. Ob es tatsächlich THE next big thing ist, das wage ich zu bezweifeln, denn in der Vergangenheit wurde das nächste große Ding noch nie präzise vorausgesagt. Aber die Tatsache, dass sich web- und geobasierte Informationen nun auch zunehmend in der „Umwelt“ darstellen lassen, ist ein wichtiger Schritt.

Was interessiert Sie als Kommunikationsexperten besonders am Thema “Augmented Reality”?

Die zentrale Aufgabe von Unternehmenskommunikation ist es, Informationen eines Unternehmens in Kontakt mit potenziellen Kunden zu bringen. Die Kontaktpunkte verlagern sich von Zeitschriften und dem stationären Internet immer mehr in die „Bewegungsrealität“ von Menschen. Wo bislang bestimmte Orte und Zeiten genutzt wurden, um Informationen aufzunehmen, ist die Informationsaufnahme heute mobile, die Menschen sind zunehmend „always on“. Also wird es wichtig, dass Content inhaltlich mit Orten verknüpft wird und man sich als Kommunikator die Frage stellt: welche Informationen benötigt eine Person, die an einem Geschäft vorbeiläuft, was kann ich über mein Unternehmen mitteilen. Und sicherlich auch – um den Bogen zu Ihrer ersten Frage zurückzuspannen – kann ich neben meinem Firmenschild einen QR Code anbringen, der auf ein kurzes Präsentationsvideo meiner Firma verweist, mit dem Hinweis, dass diejenigen, die sich jetzt interessieren, doch einfach bei der netten Frau Müller am Empfang vorbeischauen sollen.

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Dieser Beitrag wurde geschrieben von:

Meike Leopold

Meike Leopold - schrieb 128 Beiträge im Cirquent Blog.

Zuständig für die Public Relations bei Cirquent - Um die Öffentlichkeitsarbeit des Unternehmens kümmert sich die studierte Literaturwissenschaftlerin seit über zwei Jahren. Zuhause taucht sie am liebsten in die Welt der Bücher ab oder joggt eine Runde an der Isar. Meike Leopold on Twitter: http://twitter.com/Leopom

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6 Responses to “Interview zu #Augmented Reality”

  1. daniela burger
    daniela burger Says:

    Guter Webseite – H

  2. Björn Eichstädt
    Björn Eichstädt Says:

    @Hans und hier noch ein Hinweis zu einer Air-Tagging Anwendung für das iPhone – vielleicht nur rein zufällig…. aus Japan http://tonchidot.com/Sekai_Camera.html

  3. Meike Leopold
  4. Björn Eichstädt
    Björn Eichstädt Says:

    @Hans das Vorreitertum bezog sich hier vornehmlich auf die Anwendung, das ist auch das Feld, das mich als PRler interessiert. Anwendung und Entwicklung klaffen ja oft auseinander, s. das klassische Beispiel mp3.

  5. Hans
    Hans Says:

    Wieso um alles in der Welt gilt Japan bei Augmented Reality als Vorreiter?? Diese Behauptung ist m.E. nichtmal für den Mobile Bereich begründbar (Sekai Kamera bildet da keine Ausnahme).

    Insbesondere mobile und industrielle Augmented Reality Applikationen haben ihren Ursprung in erster Linie in Europa. In der Forschung nehmen sich USA/Europa/Japan nicht besonders viel.

    Naja – im Detail können das wahrscheinlich nur wenige ‘alte Hasen’ aus der Szene wirklich beurteilen. Ich sehe in der PR und den Hype um Augmented Reality immer stärker die Tendenz zur Oberflächlichkeit und das Leute über Dinge reden (siehe oben), die ihre Informationen auch nur aus dem Internet & Youtube beziehen, aber in der Praxis keinerlei Erfahrungen mit AR gemacht haben. Eigentlich sehr schade!


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